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#Home Blankenese und Co. mal von oben  Die Themse ist ja auch nicht so schlecht, aber dat hier ist einfach #Heimat  #dieserfluß #elbe #sky #hamburg #nienstedten #blankenese #skyporn #flight #igershh #igershamburg #hamburgahoi #hamburgcity #hamburglove #moments #heimkommen

Vertrauen – mächtig und doch so wenig reflektiert

Vertrauen – ein Wort, welches wir im Alltag so häufig unreflektiert nutzen. Es ist Bestandteil so vieler Redewendungen und Floskeln. Dabei ist es ein so unglaublich mächtiger Begriff. Ohne Vertrauen wäre unsere Gesellschaft nicht handlungsfähig – oder anders gesagt: Vertrauen ist der Kitt unserer Gesellschaft, ohne es würden wir stillstehen. Auf allen Ebenen.

Beispiele gefällig? Du vertraust darauf, dass du morgens sicher zur Arbeit kommst, da es ein öffentliches Verkehrssystem gibt. Dass sich alle Menschen an die Verkehrsregeln halten und du sicher durch den Straßenverkehr kommst. Dass du beim Bäcker mit deinem Geld bezahlen kannst usw. Das ist die Makroebene – gesellschftliche und vor allem kulturspezifische Grundregeln.

Du vertraust beim Bäcker aber auch darauf, dass du für dein Geld eine Leistung erhältst. Du vertraust Marken im Supermarkt, beim Onlineshopping oder beim Autokauf. Du vertraust Organisationen – die Mesoebene.

Und dann ist das noch die Mikroebene – das Vertrauen in Interaktionen. Lebensweltlich umfassend, indem du darauf vertraust, dass der Boden unter deinen Füßen nicht einbricht oder dass der Fahrstuhl dich sicher in dein Büro bringt. Aber auch das professionelle Vertrauen gehört dazu – zum Beispiel wenn du am Montag morgen beim Zahnarzt sitzt. Und dann ist da noch das persönliche Vertrauen, welches vor allem durch eine zwischenmenschliche Bindung geprägt wird. Wir vertrauen Kollegen, Familienmitgliedern, Freunden und Lebenspartnern.

Im Prinzip ist also jeder Moment unseres Lebens von Vertrauen geprägt. Woraus sicherlich auch die Totschlagargument-Mentalität des Begriffes resultiert und doch beziehen sich die netten kleinen Sprüche auf Sonnenuntergangsbildern, die Standardfloskeln, die wohlwollenden Worte eigentlich nur auf die Mikroebene – Vertrau doch einfach mal… Ja nee, ist klar. Ich tue den ganzen Tag eigentlich nichts anderes.

Nach Georg Simmel – einem soziologischen Popstar – ist Vertrauen die Hypothese zukünftigen Verhaltens, welche sicher genug sein muss, um praktisches Handeln darauf zu gründen. Klingt einleuchtend.

Luhmann – ein weiterer Popstar – sieht als Grundlage des Vertrauens das Zutrauen zu den eigenen Erwartungen. Die Gegenwart stellt die Gesamtheit der Bestände dar, an denen Ereignisse sich ereignen können. Die Komplexität der Möglichkeiten wird dadurch auf ein Maß reduziert, dass uns überhaupt erst handlungsfähig werden lässt in sozialen Interaktionen. Orientierung an Erwartungen und Reduktion von Komplexität – ebenfalls einleuchtend.

Und was passiert nun mit dem Individuum, wenn wesentliche Teile der Mikroebene einbrechen? Wenn die Gesamtheit der Bestände plötzlich so anders ist oder zumindest plötzlich anders erscheint? Wenn das Vertrauen in lebensweltliche Ansichten flöten geht? Wenn Vertrauen auf zwischenmenschlicher Basis verletzt wurde? Oder anders gefragt: Was ist die andere Seite des Vertrauens? Misstrauen? Angst? Reine Hoffnung?

Ich glaube, dass sich anschließend an Simmel, die Hypothese des zukünftigen Verhaltens in einem vielleicht für das Individuum schmerzlichen, aber sicherlich notwendigen Prozess neu ausrichtet. Misstrauen ist Stillstand. Misstrauen ist die Abwesenheit des Bewußtseins die Kontrolle über eigene Denk- und Handlungsprozesse zu besitzen. Angst ist die Unsicherheit und Ungewissheit, welche diese Prozesse mit sich bringen. Im Sinne von Luhmann bedeutet das, die eigenen Erwartungen einem Update zu unterziehen. Zutrauen zu einer neuen Gesamtheit von Gegenwartsbeständen zu gewinnen und damit auch wieder handlungsfähig zu werden. Die Angst vor der Ungewissheit einzufangen.

Vertrauen ist kein Blindflug – Vertrauen ist niemals einseitig – Vertrauen ist ein sozialer Prozess – überall, immer. Ein Prozess, der sich in der Gegenwart auswirkt, aber auf die Zukunft ausgerichtet ist. Ein Prozess, der einen ganzen Eisberg unter sich herschiebt, den es ab und zu gilt, aktiv neu auszurichten. Und das gilt insbesondere heute – in einer reflexiven Moderne – für alle Ebenen: Makro-, Meso- und Mikroebene.

Just my two cents zum Wochenende… Your thoughts?

 

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