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Und plötzlich ist da keine Angst mehr

Klingt komisch, ist aber so. Jetzt könnte man meinen, das ist erstrebenswert oder ein schönes Gefühl. So nehme ich es allerdings nicht wahr. Es ist ja auch keine bewußte Entscheidung. Schließlich ist Angst ein Gefühl und wie wir alle wissen, lassen sich Gefühle leider nicht wirklich steuern – höchstens leiten und auch das nur bis zu einem bestimmten Grad.

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht aufgewacht und dachte mir „Oh, jetzt hast du keine Angst mehr.“

Eigentlich war das ein spontanes Bemerken – Dinge, die mir früher ein Unbehagen bereitet haben oder Gedanken an bestimmte Dinge machen sich plötzlich ganz anders bemerkbar. Es ist schon strange, aber klar. Die letzten Monate haben etwas mit mir gemacht und mir ist bewußt, dass ich mehr als mitten in diesem Prozess stecke. Vielleicht ist es auch nur ein emotionaler Schutzmechanismus oder ein Abstumpfen.

Was soll da auch noch schlimmeres kommen?

Wenn man schon in den frühen Lebensjahren mit Tod und Krankheit konfrontiert wurde, macht das etwas mit der eigenen persönlichen Entwicklung. Und ich gebe zu, ich besaß eine gewisse Arroganz anzunehmen, dass da nicht mehr viel kommen kann. Ich werde grad eines besseren belehrt. Es ist erstaunlich was der Mensch alles verarbeiten und prozessieren kann und trotzdem morgens wieder aufsteht. Was das im Inneren mit einem macht, ist natürlich ein anderes Thema. Ich persönlich kämpfe jeden Tag und denke auch nur Tag für Tag. Und es gibt Tage, da möchte ich nur im Bett liegen bleiben. Aber es gibt auch Tage, da genieße ich jede Sekunde, da ich weiß, wie kostbar Zeit ist und wie hart einen das Leben treffen kann. All das wofür und worauf wir tagtäglich hinarbeiten, ist schließlich nur eine mögliche Zukunft, die dir in Sekundenbruchteilen genommen werden kann. Und so abgedroschen der Spruch auch klingt, wir haben nur das Jetzt. Immer nur das Jetzt. Das heißt nicht, dass ich leichtsinnig werde. Im Gegenteil – ich genieße derzeit den Alltag mehr denn je. Ich genieße Strukturen und gewohnte Situationen. Sie geben mir halt und dennoch lebe ich nur im Jetzt.

Vielleicht ist es auch grad dieses Tag für Tag leben, was Angst grad keinen Platz einräumt. Wie ich schon vor einigen Wochen schrieb – Prioritäten verschieben sich. Man setzt andere Schwerpunkte und ich merke, dass ich mich selber grad sehr bewußt spüre. Ich war immer schon ein reflektierter Mensch – aber auch als Dieser besitzt man viele Blind Spots. Ich fange an eigene Verhaltensweisen, zwischenmenschliche Beziehungen und Entscheidungen zu hinterfragen, aber auch genau darauf zu schauen, was ich eigentlich möchte und leisten kann. Emotionen werden wieder spürbar. Reflektiert und bewußt bedeutet schließlich nocht nicht Umsetzbarkeit. Ich arbeite dran. Die Tendenz eigene Bedürfnisse hinten anzustellen entsteht in einer familiären Extremsituation sehr schnell und spätestens wenn der eigene Körper rebelliert, sollte man mal innehalten und genau überlegen, was die innere Stimme sagt.

Wer und was tut mir eigentlich gut – was nicht? Und vor allem warum?

Man kann es Egomodus nennen, klingt aber allzu negativ – es ist auch eher eine neue Form der Achtsamkeit. Es ist gleichzeitig auch ein ständiger Kampf gegen das schlechte Gewissen. Ein Mix aus widersprüchlichen Emotionen – Trauer, Wut, Liebe…

Und um dieses Abhandensein von Angst noch einmal greifbar zu machen – es ist nicht so, dass mich Situationen nicht ängstigen – dann wäre ich ja einfach nur noch stumpf. Nein, im Gegenteil – Emotionen sind derzeit sehr viel spürbarer als vor dieser Zeit, aber sie berühren mich eben in dem exakten Moment und lassen mich nicht schon in Gedanken davor erstarren. Vielleicht ist es auch treffender zu sagen, angsterfüllende Gedanken gehören derzeit der Vergangenheit an. Ich weiß einfach, dass vor mir eine Zeit liegt, die mich immer wieder in den Grundfesten erschüttern wird – also versuche ich es in dieser Form anzunehmen und es auf mich zukommen zu lassen, ohne davor bereits in Selbstmitleid und Angst zu versinken. Aber vielleicht ist auch das nur eine Illusion und mein persönlicher Mechanismus damit umzugehen. Derzeit funktioniert es zumindest.

 

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